Danke für alle, die so lange Geduld mit meinen Fotos hatten. Aus der Masse an Fotos (~3000 Stück), die Björn und ich während unserer 5-wöchigen Reise gemacht haben, kann ich leider nur einen bescheidenen Selektion auf dem Blog veröffentlichen. Ich hoffe ihr fangt zumindest diese Impressionen ein, die wir während unseres Trips versucht haben festzuhalten. Alles Gute bis auf Weiteres Felix

23 November 2006

Der Himmel zum anfassen auf 4093 m

21. November
10:45 - 0 KM - 1800 m NN
In der Sutera Sanctuarz Londge bereiten Bjoern und ich uns auf den Aufstieg vor. Nachdem wir alle Formalitaeten (Gebuehren, Versicherung, etc.) geklaert haben, mussten konnte es endlich losgehen. Bis zum Gipfel sind es scheinbar nur 9 km dennoch kommt in mir Nervositaet auf, die wohl in der Ungewissheit der naechsten 24h begruendet ist. Die Ironie an dem Bergaufstieg ist, dass wir (Bjoern, ein Paerchen [USA&NL], Guide & ich) erst absteigen mussten, an einem Wasserfall vorbei, um endlich auf den richtigen Pfad gen Gipfel zu gelangen.

10:56 - 0,5 KM - 1935 m NN
Die Gruppe ist in aeusserst lockerer Stimmung. Man lernt sich kennen und haelt einwenig Smalltalk. Der Weg fuehrt vornehmlich ueber stark verwurzelten Waldboden.

11:07 - 1,0 KM
Es wird die erste kleine Pause eingelegt. Wir sehen erstmals in die erschoepften Gesichter einer Bergsteigergruppe vom Vortag, die nun gleich wieder die Basisstation erreicht hat.

11:20 - 1,5 KM
Es wird stiller. Dies bezieht sich zum einen auf die Gruppengespraeche, da sich nun jeder auf seine Schritte konzentrieren muss, zum anderen auf die Natur, denn der Regenwald lichtet sich langsam und die Tierlaute werden seltener. Langsam beginnen die Poren zu arbeiten. Auf meinem Ruecken laufen die ersten Schweissperlen hinunter.

11:30 - 2,0 KM
Das Herz schlaegt laut und die Beine beginnen zu pochen. Langsam beginnt wohl meine Fettverbrennung :). Ich ueberlege, ob wir den Berg vielleicht zu schnell angehen, schliesslich habe ich jetzt viel Zeit zum nachdenken...

11:46 - 2,5 KM
Der Weg wird steiniger. Am Wegesrand wachsen wunderschoene Blumen.

11:56 - 3,0 KM
Leichtes Zwicken in der linken Wade. In kleinen Stakkatoschritten muss es weitergehen. Die Natur entschaedigt. Auf dieser Hoehe sind ca. 60% des Bodens mit Orchideen bedeckt. Eine leichte erfrischende Brise kommt auf.

12:20 - 3,5 KM
Der Koerper baut schon etwas ab. Wir reduzieren unsere "Angriffsgeschwindigkeit". Die Sicht wird schlechter, da wir schon auf Wolkenhoehe sind. Uns kommt eine Japanerin in FlipFlops entgegen. Mit FlipFlops auf dem Steilhang... das koennen nicht nur Asiaten, aber ich habe Gott sei Dank festes Schuhwerk.

12:43 - 4,0 KM - 2702 m NN
Die koerperliche Situation besser sich. Der Kreislauf ist trotz des schnellen Anstieges immer noch OK. Ich habe die erste Aspirin zur Blutverduennung genommen. 13:03 - 4,5 KM Die Zwischenstation bei 6 KM rueckt naeher. Das befluegelt wieder zu Spaessen, Smalltalk und Gruppenfotos.

13:29 - 5,0 KM
Trotz des kleinen Zwischentiefs sind wir hervorragend in der Zeit. Wir gehen jetzt auf Granit, der deutlich steiler verlaeuft als der Weg zuvor. Ich beginne die Kilometerschilder zu lieben.

13:47 - 5,5 KM
Ein Erdhoernchen mit einem Maul voll Stroh ist das letzte Tierchen, dass ich bis zum Gipfel sehe. Die Euphorie steigt, da wir die Wolkenschicht durchstossen haben und nun die Sonne wieder zum Vorschein kommt.

14:04 - 6,0 KM - ca. 3100 m NN
Wir sind nach nur 4,5 h an der Zwischenstation angekommen und koennen das erste Mal den Gipfel sehen. Hier nehme ich meine kaelteste Dusche seit langer Zeit - frisches Bergwasser. Der Schildkroeteneffekt laesst gruessen...

22. November
2:00
Der Wecker klingelt. Die Nacht war schrecklich. Die Hoehe hat das Atmen bereits erschwert, somit habe ich kaum geschlafen. Die ganze Nacht ueber habe ich Blitze gesehen. Meine Stimmung ist etwas getruebt.

2:32
Der Aufstieg zum Gipfel beginnt. Die Gruppe hat sich um einen Teilnehmer reduziert, der wegen Knieproblemen in der Zwischenstation geblieben ist. Wir gehen aus der Huette. Es ist unglaublich kalt aber der sternklare Himmel entschaedigt. Die Blitze waren bzw. das Gewitter war scheinbar weit entfernt gewesen.

3:07 - 6,5 KM
Der Boden ist feucht. Die Muedigkeit beschwert das Laufen. Ich muss bei jedem Schritt in der Dunkelheit auf meine Fuesse achten.

3:46 - 7,0 KM
Wir erreichen den Steilhang. Ab hier geht es fast nur noch mit Hilfe eines Seils den steilen Anstieg hinauf. Die ersten Wolken ziehen auf. Sehen wir doch keinen klaren Sonnenaufgang?

4:22 - 8,0 KM
Die Vegetation ist minimal. In den Granitspalten wachsen nur noch kleine Graeser. Die Beine werden schwerer und das T-Shirt unter dem Pullover und der Jacke wird langsam feucht. Wir sehen trotz der Nacht den vor uns aufragenden Gipfel.

4:51 - 9,00 KM - 4092 m NN
Der Gipfel! Wir haben ihn vor Sonnenaufgang erreicht. Befriedigung macht sich breit auch die letzten fordernden 2 KM (seit Kilometer 7) gemeistert zu haben. Wir wurden mit einer unglaublichen Sicht waehrend des Sonnenaufganges um ca 5:30 belohnt. Unser Guide meinte, dass man so ein Wetter maximal einmal pro Woche erwarten koennte, leicht bewoelkt mit einem kleinen Lueftchen. Endlich mal wieder Glueck...

Nach ca. 1,5 h auf dem Gipfel begannen wir mit dem Abstieg. Die Basisstation erreichten wir gegen 11:30h mit sehr schweren Beinen, schmerzenden Gelenken vom steilen Abstieg und leicht uebermuedet.

Zusammenfassend muss ich sagen, dass sich dieser Trip gelohnt hat. Dies erklaert sich besonders im Wetter, denn waehrend des kompletten Abstieges hatten wir schoenen Sonnenschein. Der Aufstieg war mit Sicherheit fordernd, besonders in dem von uns eingeschlagenen Tempo. Vielleicht haette man es auch etwas ruhiger angehen koennen... Dennoch hat mir dieser Berg mit Sicherheit nicht meine Grenzen aufgezeigt.

0102_Mount Kinabalu (Borneo/Malaysia)
20.-22. November 2006 - 26 Fotos