Dieses momentan heikle Thema möchte ich aufgrund des Fastenmonats Ramadan in den Fordergrund rücken und einige oberflächliche Infos vermitteln. Gestern hatte der Ramadan seinen Höhepunkt. Nach der Hälfte der Fastenzeit zelebrieren die Muslime die Überlieferung der Verse, die heute die Grundlage für den Koran bilden (vielleicht mit dem christlichen AT vergleichbar). Der Religionsstifter Mohammed erschien im Alter von etwa 40 Jahren der Erzengel Gabriel, der ihm die Verse einer göttlichen Offenbarung diktierte. Der Islam („Unterwerfung unter oder Hingabe an Gott“) ist mit ca. 1,2 Milliarden Anhängern nach dem Christentum (ca. 2,0 Milliarden Anhänger) die zweitgrößte Religion der Welt.
Die fünf Säulen auf denen der Islam fußt sind von jedem Muslim zu erfüllen:
- Das Glaubensbekenntnis (Schahada): Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer (dem einzigen) Gott und Mohammed ist der Gesandte Gottes. Das Aussprechen in ehrlicher Absicht reicht aus, um Muslim zu werden. Sie ist auch das Erste, was einem Neugeborenen ins Ohr geflüstert wird, und der letzte Gruß an einen Sterbenden.
- Das Gebet (Salat) ist religiöse Pflicht. Es wird zu festgelegten Zeiten verrichtet, zu denen der Muezzin ruft: in der Morgendämmerung, mittags, nachmittags, abends und nach Einbruch der Nacht. Zuvor erfolgt die rituelle mit reinem Wasser. Am Freitag wird das Mittagsgebet in der Gemeinschaft, meist in der Hauptmoschee der Stadt oder des Viertels, verrichtet. (Dann sind die Straßen hier immer komplett verstopft!)
- Die Almosensteuer (Zakat): Die Erträge werden für Bedürftige, Kranke, Befreiung Gefangener, den Dschihad oder zum Aufbau religiöser Schulen verwendet. Die Höhe variiert je nach Einkunftsart (Handel, Viehzucht, Anbau) zwischen 2,5 – 10 % ebenso wie die Besteuerungsgrundlage (Einkommen oder Gesamtvermögen). Die Zakat ist eine fromme Handlung und religiöse Pflicht des Muslims und kann somit nur Muslimen zu Gute kommen. Dschihad ist ein wichtiges Glaubensprinzip im Islam. Seine Bedeutung ist so groß, dass zeitweise diskutiert wurde, ob der Dschihad als sechste Säule gerechnet werden sollte.
- Der „größte Dschihad“ ist der Kampf gegen die Seele, die zum Bösen verführt, die Schwächen und Fehler, von denen niemand gerne spricht. Er wird u.a. vollzogen durch das fünfmalige tägliche Gebet, das Streben nach Wissen und moralischer Vervollkommnung.
- Der „kleine Dschihad“ besteht in der Ausbreitung und Verteidigung des Islam, notfalls auch mit Waffengewalt. Er ist die einzig zulässige Form des Kriegs im islamischen Recht.
- Das Fasten (Saum): Im Monat Ramadan (verschiebt sich immer um 11 Tage nach vorne) wird von Beginn der Morgendämmerung bis zum vollendeten Sonnenuntergang gefastet, nichts gegessen, nichts getrunken, nicht geraucht, kein ehelicher Verkehr und Enthaltsamkeit im Verhalten geübt. Während des Tages sollen die Muslime Gottes Befehl genügen. Insofern ist das oft praktizierte ausgiebige Fastenbrechen bei Nacht zwar nicht unbedingt ideal, verletzt jedoch auch nicht die religiöse Pflicht. Der Fastenmonat wird mit dem Fest des Fastenbrechens beendet, dann bin ich aber leider in Thailand.
- Die Pilgerfahrt (Haddsch): Einmal in seinem Leben soll der Muslim die Pilgerfahrt nach Mekka antreten, um dort die heilige Kaaba siebenmal zu umschreiten. Die Pilgerfahrt findet im letzten Mondmonat statt. Entscheidend dafür ob die Pilgerfahrt zur Pflicht wird, sind unter anderem seine finanziellen und gesundheitlichen Lebensumstände.
Im Islam gibt es sechs Glaubensartikel:
- den einzigen Gott (arab. Allah)
- seine Engel
- seine Offenbarung (heilige Bücher: Thora, die Evangelien, den Koran etc.)
- seine Gesandten, die Propheten Gottes: (u.a. Adam, Abraham, Moses, Jesus, Mohammed)
- den Tag des jüngsten Gerichts und das Leben nach dem Tod: Der Mensch werde eines Tages für seine Taten zur Verantwortung gezogen und mit dem Höllenfeuer bestraft bzw. mit dem Paradies belohnt
- die göttliche Vorsehung
„Ihr Gläubigen! [..] Wer an Gott, seine Engel, seine Schriften, seine Gesandten und den jüngsten Tag nicht glaubt, ist (damit vom rechten Weg) weit abgeirrt.“
Im Islam gilt eine Vielzahl von heiligen Städten
- Mekka - Geburtsort Mohammeds mit der Kaaba als zentralem Heiligtum des Islam (bestimmt heute die Gebetsrichtung)
- Medina - Islam entfaltete erste politische Wirkungskraft (Sitz Mohammeds)
- Jerusalem - erste Gebetsrichtung und Ort der im Koran erwähnten al-Aqsa-Moschee
Der Status der „heiligen“ Städte ist im Islam ein äußerst kontroverses Thema. Jerusalem stellt in der Liste der heiligen Städte insofern einen Sonderfall dar, als sich der aus dem Koran hergeleitete Anspruch historisch nicht belegen lässt wird aber „historischer Wahrheit“ gleichstellt.
Kritiker sehen im Islam häufig eine nicht zukunftsfähige Religion, die sich nur noch mit Gewalt behaupten könne. Da der Koran von gläubigen Muslimen als direkt von Gott diktiert aufgefasst wird, sei es unmöglich den Koran zu interpretieren. Errungenschaften, wie die Demokratie, die Gleichberechtigung der Frau, die Meinungsfreiheit sowie die Freiheit der Presse und der Kunst seien nicht mit einem anti-kritischen Verhältnis zur Religion vereinbar.